über lunatics

Libera mens servire negat – ein freier Geist lässt sich nicht knechten.

lunatics ist eine lose Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern, Fotografinnen, Schreibenden und Freigeistern. Kein Verein. Keine Institution. Kein Auftritt nach außen – zumindest nicht absichtlich.

Was sie verbindet, ist weniger ein Stil als eine Haltung: das Interesse an dem, was entsteht, wenn man aufhört, sich um Verwertbarkeit zu sorgen. Das Projekt begann 1992 – damals noch unter dem Namen „rdd – reprografie & datendesign“, als Atari TTs und frühe Macs die Welt der Bildretusche neu definierten. Was blieb, ist die Freude am Bild. Was dazukam, ist der Rest.

Etymologie

Der Begriff leitet sich vom lateinischen Adjektiv lunaticus ab, das seinerseits auf luna (Mond) zurückgeht. Im Mittelalter und in der Antike glaubte man, dass der Mond – besonders der Vollmond – Menschen zu ungewöhnlichem, unberechenbarem oder geistesgestörtem Verhalten veranlassen könne. Wer sich also seltsam benahm, galt buchstäblich als „mondbeschienen“ oder „mondbeeinflusst“.

historische Verwendung

Im Englischen wurde lunatic über viele Jahrhunderte als medizinischer und juristischer Begriff für geistige Erkrankungen und Unzurechnungsfähigkeit verwendet. Erst weit ins 20. Jahrhundert hinein verschwand das Wort aus Fachliteratur und Gesetzestexten. Interessanterweise zeigt sich dieser Mondglaube auch im Deutschen: Das Wort „Laune“ stammt ebenfalls von luna ab und bezeichnete ursprünglich den vermeintlichen Einfluss des Mondwechsels auf die Gemütsstimmung des Menschen.

Verwandte Begriffe

Dieselbe Wurzel steckt auch in anderen europäischen Sprachen: lunatico (Italienisch), lunatique (Französisch) – alle mit der Bedeutung von Launenhaftigkeit oder Verrücktheit, die dem Mond zugeschrieben wurde. Selbst die Lunar Society im 18. Jahrhundert, ein Kreis brillanter englischer Denker, nannte sich selbst scherzhaft „lunaticks“, weil sie sich rund um den Vollmond trafen.

Kurz gesagt: Hinter lunatics steckt die uralte Überzeugung, dass der Mond die Menschen „verrückt macht“ – was dem Namen lunatics.de eine schön mehrdeutige Note verleiht. 


über die Klappse

Ein Restaurant, eine Galerie, ein Zustand. Der Ort, an dem lunatics passiert.

Das Klappse West ist kein gewöhnliches Restaurant – es ist ein Bewusstsein. Der Geist des Wiener Kaffeehauses, geerbt und nicht kopiert: Salon, Streitraum, Bühne und Beichtstuhl zugleich.

Klaus steht an der Tür und entscheidet mit dem Gefühl, das meistens stimmt. Die Feigen sind gefüllt. Der Schenkelöffner kommt ungefragt. Das Licht ist dunkel genug, um ehrlich zu sein. Karl Kraus wäre hereingekommen. Peter Altenberg hätte auf Kredit gegessen und wäre trotzdem der interessanteste Gast des Abends gewesen.

Hier treffen sich die Lunatics. Hier entstehen Ideen, Texte, Ausstellungen – und manchmal einfach sehr gute Nächte. Gelacht wird laut. Gestritten wird schärfer. Keine Veganer. Keine Idioten. Die Tür ist schmal. Das ist Absicht.


Fotografie

pictures & traces

Die Wirklichkeit ist nur die erste Schicht.

New Pop Art aus Stuttgart. Eine Fusion aus klassischer Kunstfotografie und New Pop Art, Fine Print und NFT. Entstanden über viele Jahre – von der ersten selbstgebauten Linse im Stuttgarter Garten (2011) bis zur Gegenwart.

pictures & traces widmet sich den verborgenen Schätzen des Alltags: oft übersehenen Blicken und Dingen, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben. Das Projekt spielt mit verschiedenen Lichtspektren, um die Spuren der Bilder zu übertreiben und greifbar zu machen. Selbstgefertigte Linsen erzeugen Farbwelten, die so kein zweites Mal existieren.

Stuttgart @ Midnight

Stuttgart schläft nicht – es verwandelt sich.

Wenn die Stadt die Augen schließt, öffnen sich ihre wahren Gesichter.

Stuttgart @ Midnight ist eine fotografische Liebeserklärung an eine Stadt, die sich selbst im Weg steht – entstanden in verfügbarem Licht und aufgehobener Zeit. Die Serie zeigt die bekanntesten Orte der Stadt in einem Zustand, den die meisten Menschen nie sehen: entvölkert, unverfälscht, intensiv.

Die Regeln waren einfach und absolut: jede Aufnahme exakt um 00:00 Uhr – nicht irgendwann nachts, nicht kurz davor, genau dann. Das ungewöhnliche Format 12:7, panoramabreit und filmisch, zwingt den Blick, sich zu bewegen, zu wandern, zu verweilen.

Urban Life / Abstract / Mikro & Makro

Urban Life kreist um Orte und die Formen, die ihnen Gestalt geben – Architektur als Charakter, Struktur als Sprache. Abstract löst die Gegenständlichkeit auf: bildliche Notizen aus urbanen Räumen, die das Auge vergessen lassen, was es eigentlich sieht.

Mikro & Makro lädt das Auge ein, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Jenseits des Abbildungsmaßstabs 1:1. Eine Cicadella viridis auf Salbei. Die Spira mirabilis eines Schneckengehäuses. Ein Grashalm, der noch nicht weiß, dass er einer ist. Die Natur baut nach Prinzipien, die kein Mensch erfunden hat – man muss sie nur groß genug machen.


Literatur

Sie saßen in der Klappse West. søna hatte den Ort empfohlen und den Türsteher bestochen.

So fängt eine Geschichte an.

Manche Geschichten werden nur erzählt – an diesem Tisch, in dieser Nacht, für diese eine Person. Dann sind sie weg. Aufgelöst im Knoblauch und altem Rotwein, zusammen mit dem Abend, der sie hervorgebracht hat. Das ist in Ordnung. Nicht jede Geschichte braucht ein Publikum.

Manche werden vergessen. Auch das ist in Ordnung. Vergessen ist manchmal das Anständigste, was man mit einer Geschichte machen kann.

Und manche – die guten, die schiefen, die zu langen, die zu ehrlichen – die landen hier. Für alle, die davon wissen. Kein Newsletter. Keine Ankündigung. Wer es findet, findet es.


Die Rechte an Geschichten, Texten und Büchern liegen bei den jeweiligen Autorinnen und Autoren.


unterstützt von

lunatics wird ermöglicht durch die ideen-park GmbH, Stuttgart.