Die Wirklichkeit ist nur die erste Schicht.
New Pop Art aus Stuttgart… pictures & traces. Eine Fusion aus klassischer Kunstfotografie und New Pop Art, Fine Print und NFT. Entstanden über viele Jahre: von der ersten selbstgebauten Linse im Stuttgarter Garten (2011) bis zur Gegenwart.
pictures & traces widmet sich den verborgenen Schätzen des Alltags – oft übersehenen Blicken und Dingen, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben. Das Projekt spielt mit verschiedenen Lichtspektren, um die Spuren der Bilder bewusst zu übertreiben und greifbar zu machen. Selbstgefertigte Linsen erzeugen dabei einzigartige Farbwelten, die so kein zweites Mal existieren.
Jedes Werk besteht aus fünf Elementen: einem Diptychon als hochwertigem Kunstdruck in Museumsqualität – quadratische Werke im Format 700 × 700 mm, Panoramen im Format 2100 × 700 mm (3:1), alle auf FujiCrystal hinter 4 mm Acrylglas – sowie optional einem digitalen Triptychon aus Fine Art, New Pop Art und Video als drei NFTs, jeweils mindestens in 4K. Das 3:1-Panoramaformat ist dabei ebenso bewusst gewählt wie das Quadrat: Beide brechen mit den gängigen Sehgewohnheiten und zwingen das Auge in eine andere Bewegung.
the wall / 2019

Fine Art
Industriewand, Stuttgarter Wagenhallen. Steine, Schrauben, Schichten – das Gedächtnis einer Industriekultur, die sich weigert zu verschwinden. Das Licht fällt schräg, der Ausschnitt erzählt alles.

New Pop Art
Die Struktur bleibt – aber das Material beginnt zu leuchten. Rost wird zu Gold, Beton zu Kobalt, Schraubenköpfe zu Kompositionspunkten in einem Neon-Relief.
Stuttgarter Wagenhallen, 2019. Eine Wand. Steine, Schrauben, Schichten – das Gedächtnis einer Industriekultur, die sich weigert zu verschwinden. The wall sucht nicht das große Bild, sondern den Ausschnitt, der alles erzählt. Die Struktur, die das Auge normalerweise übersieht. Das Licht, das zeigt, was dahinter steckt. Pink Floyd ist nah – aber die Wand hier fällt nicht. Sie leuchtet.
circles / 2018

Fine Art
Zwei Lichtreflexe in warmem Nude-Pastelton – entstanden mit einer selbstgebauten Linse, optimiert auf möglichst runde Bokeh-Kreise und sanfte Farbübergänge. Abstrakt, ruhig, fast meditativ. Zwei Kreise wie Zellen oder Planeten in einem frühen Universum.

New Pop Art
Dieselben Kreise, aufgeladen: Cyan, Magenta, Lila – das Licht explodiert aus denselben Formen. Die Quelle ist identisch, das Spektrum ein anderes. Same source. Different truth.
Entstanden 2018 als Experiment mit einer selbstgebauten Linse. Ziel: möglichst runde Lichtreflexe, sanfte Pastelltöne, ein Farbspektrum am Rand des Sichtbaren. Was dabei entstand, war mehr als ein Test – es war ein eigenständiges Werk. Zwei Kreise. Zwei Welten. Dieselbe Quelle, ein anderes Licht.
the beast / 2024

Fine Art
Der Heckspoiler eines Porsche im Schwarzwald – kühles Silber-Grau, klarer Himmel, präzise Linien. Ingenieurskunst als Skulptur. Sachlich, elegant, fast meditativ.

New Pop Art
Magenta-Himmel, Cyan-Karosserie, Rot-Grün-Reflexe in den Chromflächen. Das Tier zeigt seine wahre Natur. Aus Ingenieurskunst wird galaktisches Cockpit.
„riding the beast“ entstand 2024 irgendwo im Schwarzwald. Zwischen Kurve und Horizont, ein Porsche – aber das ist nicht die Geschichte. Die Geschichte steckt in den Flächen: dem Spoiler, der sich wie eine Flosse aus dem Blech schält, den Reflexen, die den Himmel ins Metall falten, den Schatten, die zeigen, was der Ingenieur wirklich gemeint hat. Riding the beast beginnt als präzise Beobachtung – und endet als Bekenntnis. Denn das Tier war schon immer da. Man musste es nur im richtigen Licht betrachten.
last glass of wine / 2019

Fine Art
Ein Simsbrett in einem Lost Place nahe der Stuttgarter Wagenhallen. Ein Römer-Glas, rote Teller, eine dunkle Weinflasche – als hätte jemand den Tisch gedeckt und ist nie zurückgekehrt. Streiflicht von rechts, Caravaggio lässt grüßen.

New Pop Art
Das Glas leuchtet wie eine Reliquie, die Flasche tropft Neon-Rot und Grün, das Blau der Wand pulsiert. Aus dem verlassenen Ort wird eine Bühne.
Ein lost place in der Nähe der Stuttgarter Wagenhallen. Ein Simsbrett, ein Römer-Glas, rote Teller, eine Flasche – und niemand mehr da. Was wie eine vergessene Tischszene beginnt, ist in Wahrheit ein Stillleben des Verschwindens. Das Licht fällt schräg, als käme es nicht von außen, sondern aus der Erinnerung selbst. pictures & traces macht sichtbar, was der Ort zurückgelassen hat – die Energie, die in den Dingen steckt, lange nachdem die Menschen gegangen sind.
killing peace / 2019

Fine Art
Eine Taube – weiß, Flügel weit ausgebreitet, Federn stieben. Ein Einschussloch in der Brust. Schwarz, präzise, ohne Umschweife. Street Art als Chronik des Scheiterns, gemalt in einer Zone, die offiziell nicht existiert.

New Pop Art
Das Schwarz wird zu verwittertem Mauerwerk, die weiße Taube leuchtet blau, die Federn werden zu dunklen Splittern, das Einschussloch glüht. Die Wand selbst beginnt zu sprechen – Schichten aus Zeit, Gewalt und Farbe überlagern sich.
Nikosia, Zypern, 2019. Mitten in der Sperrzone – dem Niemandsland, das seit 1974 die Hauptstadt Zyperns teilt, UN-kontrolliert, für Zivilisten gesperrt. Eine Taube an einer Wand. Weiß, Flügel weit, Federn stieben – und ein Einschussloch in der Brust. Wer diese Taube hier gemalt hat, weiß man nicht. Wann, weiß man nicht. Aber das Bild ist da, in einer Zone, die offiziell nicht existiert. killing peace wurde nicht inszeniert. Es wurde gefunden.
dancing derwish / 2019

Fine Art
Ein tanzender Derwisch als monumentales Wandbild auf verwittertem Beton – schwarz-weiß, kraftvoll, die Bewegung eingefroren. Und daneben: echte Einschusslöcher in der Wand. Nicht gemalt. Einfach da.

New Pop Art
Der Derwisch leuchtet in Blau und Weiß, der Beton wird zum immateriellen Grund, das Gewand dreht sich in irisierenden Farben. Aber die Einschusslöcher sind noch da. Die Spuren bleiben.
Nikosia, Zypern, 2019. An einer Wand, wenige Schritte von der Sperrzone entfernt, die die Stadt seit 1974 teilt. Ein Derwisch dreht sich – groß, präzise, voller Würde. Daneben: echte Einschusslöcher im Beton. Nicht als Kunst gemeint. Einfach da. Jemand hat Schönheit an eine Wand gemalt, die Krieg kennt. pictures & traces hat beides festgehalten – den Tanz und die Narben. Weil beides die Wahrheit ist.
Café Moskau, Berlin / 2024

Fine Art
Das Café Moskau an der Karl-Marx-Allee, Berlin – klarer blauer Himmel, die charakteristische Rundung, das Mosaikfries, МОСКВА und RESTAURANT in großen Lettern. DDR-Moderne als Weltbaukultur, zeitlos und präzise erfasst.

New Pop Art
Magenta-Himmel, die Fassade in leuchtendem Blau, die Scheiben brennen in Orange und Violett, der Bürgersteig wird zu rotem Lava-Grund. Das Café Moskau war immer eine Bühne – jetzt leuchtet sie.
Karl-Marx-Allee, Berlin, 2024. Ein Gebäude, das Geschichte trägt, ohne sich darunter zu beugen. Das Café Moskau – 1964 eröffnet als Aushängeschild der DDR-Repräsentationsarchitektur, heute denkmalgeschützt und immer noch da. Die Rundung, das Mosaikfries, die Schriftzüge in Kyrillisch und Latein: Alles ist noch original. pictures & traces hat diesen Ort im Panoramaformat eingefangen – weil er es verdient, vollständig gesehen zu werden. Und weil das Licht zeigt, was die Geschichte nur ahnen lässt: Dieser Bau wollte nie bescheiden sein.
Zwerg-Zikade auf Salbei / 2011

Fine Art
Eine Cicadella viridis – die Grüne Zwergzikade – auf einem Salbeiblatt, Abbildungsmaßstab 3:1. Die Zellstruktur des Blattes ist in atemberaubender Schärfe zu sehen, jedes Härchen einzeln, das Insekt perfekt im Bildfeld. Wissenschaftlich exakt und gleichzeitig bildnerisch makellos.

New Pop Art
Violett-Gelb-Neon ersetzt das Grün, die Zellstruktur des Blattes explodiert in ein psychedelisches Muster – und die Zikade leuchtet wie ein Juwel auf einem fremden Planeten.
Stuttgart, 2011. Eine Cicadella viridis – die Grüne Zwergzikade – auf einem Salbeiblatt, wenige Schritte vom lunatics Studio entfernt. Abbildungsmaßstab 3:1, selbstgebaute Linse, erste Generation. Was dabei entstand, war nicht nur ein Makrofoto – es war die Geburtsstunde von pictures & traces. Die Frage, die dieses Bild stellt, ist dieselbe, die das gesamte Projekt antreibt: Was ist da, das wir nicht sehen? cicada on sage ist die Antwort auf eine Frage, die noch niemand gestellt hatte.
lines / 2014

Fine Art
Ein Bündel Kabel in einem Betonkanal, in der Blauen Stunde aufgenommen. Die Kabel verlaufen von unten vorn in die Bildtiefe, wo sie sich im Unschärfe-Dunkel verlieren – Bokeh, Tiefe, Kälte, blaues Licht. Industriepoesie in Reinform.

New Pop Art
Derselbe Kanal, thermisch aufgeladen: Rot, Orange, Grün, Cyan – die Kabel werden zu Lavaströmen, der Fluchtpunkt brennt wie ein Krater. Aus Infrastruktur wird Energie, aus Kälte wird Hitze.
Stuttgart, 2014. Blaue Stunde. Irgendwo zwischen Gleisen und Niemandsland. Ein Kabelkanal – das Nervensystem der Stadt, das niemand sieht. lines ist eines der ältesten Werke von pictures & traces und vielleicht das ehrlichste: keine Architektur-Ikone, kein fremdes Land, kein Drama. Nur Kabel, Beton und das Licht kurz nach Sonnenuntergang. Und dennoch steckt alles drin – die Frage, was Dinge wirklich sind, wenn man sie im richtigen Spektrum betrachtet.
Kugeldistel / 2019

Fine Art
Eine Kugeldistel – Echinops sphaerocephalus – kurz vor der Blüte. Eine perfekte grün-weiße Kugel, geometrisch wie ein Sternenbild, sanft unscharf in strahlendes Grün gebettet. Stille, Reinheit, Frühling im Tonbachtal.

New Pop Art
Gelb-Grün explodiert aus dem Zentrum, Magenta-Akzente durchziehen die Stacheln, ein tiefes Ultramarinblau trägt die Szene. Aus botanischer Stille wird kosmische Energie.
Tonbachtal, Schwarzwald, 2019. Frühling. Eine Kugeldistel – Echinops sphaerocephalus – kurz vor der Blüte. Ein Moment, der nur Stunden dauert und den die meisten nie sehen. Das Tonbachtal ist bekannt für Sterneküche und geschützte Natur – aber dieser Fund liegt jenseits der gepflegten Wege. Eine Pflanze, die noch niemand bestellt hat, in einem Licht, das so noch nie gezeigt wurde. Kugeldistel zeigt, was pictures & traces sucht: die Schönheit, die wartet, bis jemand genau genug hinschaut.
snail shell / 2018

Fine Art
Die absolute Spitze eines Süßwasserschneckengehäuses in 3:1-Abbildung auf reinem Schwarz – ein Objekt wie ein kleiner Planet, warm beleuchtet, mit der unverkennbaren Spiralstruktur der Spira mirabilis im Zentrum. Caravaggio trifft Naturwissenschaft.

New Pop Art
Die Zeiss-Luminar-Linse zieht Blau, Orange und Cyan aus der Oberfläche, die Spirale leuchtet wie ein Galaxienkern, der Rand glüht. Aus Geologie wird Kosmologie.
Die absolute Spitze eines Süßwasserschneckengehäuses – Abbildungsmaßstab 3:1, selbstgebaute Linse auf Basis von Zeiss-Luminar-Aufsätzen. Was zu sehen ist, ist die Spira mirabilis – die Wunderspirale. Jacob Bernoulli (1655–1705) gab ihr diesen Namen: eine Spirale, bei der sich mit jeder Umdrehung um ihr Zentrum der Abstand vom Zentrum um denselben Faktor verändert. Die Natur baut nach diesem Prinzip seit Millionen von Jahren – ohne Bernoulli zu kennen. snail shell macht das sichtbar. Und erinnert daran, dass pictures & traces nicht das Übliche anders zeigt, sondern das Unsichtbare überhaupt erst sichtbar macht.
Fenster zum Hof / 2019

Fine Art
Ein eingeschlagenes Fenster in einem verlassenen Gebäude nahe der Stuttgarter Wagenhallen. Das Glas ist gebrochen – und gerade deshalb fällt das Licht hinein. Auf dem Sims: Gläser, Scherben, Spinnweben, ein Korken. Zeit hat hier Inventur gemacht.

New Pop Art
Der Bruch wird zur Bühne. Das Graffiti hinter dem Fenster leuchtet in Cyan und Magenta, die Scherben irisieren, die Gläser auf dem Sims glühen von innen. Was zerstört wurde, öffnet den Blick auf etwas Neues.
Lost Place, Stuttgarter Norden, 2019. Fenster zum Hof. Ein Fenster, das niemand mehr schließen wird. Das Glas ist längst gebrochen – aber das Licht kommt durch. Hitchcock ist nah, Hopper auch. Und doch ist das hier kein Film, kein Gemälde. Es ist ein Ort, der existiert hat, und dessen Spuren pictures & traces festgehalten hat – bevor auch sie verschwinden.
Grashalm / 2012

Fine Art
Ein einziger Grashalm. Diagonal. Die Spitze zart rosa, das Licht dahinter diffus und warm. Alles andere ist Stille – tiefes Grün, weiches Bokeh, kein Ablenkung. Der Halm braucht keine Gesellschaft.

New Pop Art
Der Halm unter Strom. Der Hintergrund leuchtet in Gelb, Orange, Neon-Grün – und durch den Halm selbst fließt Farbe wie durch eine Leitung. Rot, Blau, Grün an seinen Kanten. Was eben noch Gras war, ist jetzt Energie.
Irgendwo in einem Stuttgarter Garten, irgendwann im Frühling. Ein Halm, der gerade erst anfängt. pictures & traces hat nicht gewartet, bis er größer wird. Die Schönheit liegt im Anfang – im Moment, bevor etwas zur Sache wird. Japan ist nah, Minimalismus auch. Und doch ist das kein Konzept, kein Statement. Es ist einfach ein Halm. Und der Blick, der ihn gesehen hat.
2021 / goodnight

Fine Art
Kein Ufer. Kein Land. Nur Feuer und Meer. Der Himmel brennt in Karminrot und Gold, die Sonne versinkt hinter Cirruswolken, die sie selbst in Flammen gesetzt hat. Das Wasser trägt den Brand – ein roter Teppich bis zum Horizont. Die Natur braucht keinen Filter.

New Pop Art
Der Himmel hört nicht auf. Magenta, Pink, Neon-Gelb, Cyan – die Wolken werden zu flüssiger Farbe, das Meer zum irisierenden Mosaik. Was im Fine-Art-Bild bereits an der Grenze des Realen war, überschreitet sie hier vollständig. Und das ist richtig so.
Atlantik, vor Gran Canaria, Dezember 2021. Die Sonne verabschiedet sich – und lässt den Himmel in Flammen zurück. pictures & traces war dabei, hat nicht eingegriffen, hat nur gehalten, was sich nicht halten lässt. goodnight ist kein trauriges Wort. Turner hätte es gemalt. Rothko hätte es gespürt. Hier ist es ein Foto. Und das Foto lügt nicht.
für den Rest / 2014

Fine Art
Eine Mulde. Türkis. Verrostet. Gestempelt: K6, 8 m³. Sie steht zwischen Gleisen und einem Recyclinghof im Stuttgarter Industriegürtel – und wartet auf das, was übrig bleibt. Zahlen, Kapazitäten, Kategorien. Zeit hat hier Inventur gemacht.

New Pop Art
Die Mulde wird zur Bühne. Das stumpfe Türkis explodiert in Kobaltblau und Neon-Grün, der Rost-Querträger brennt in Pink und Orange. Die gestempelten Zahlen wirken jetzt wie Graffiti-Code auf einem Raumschiff. Was für Schutt gebaut wurde, leuchtet.
Stuttgart, zwischen Gleisen und Recyclinghof, 2014. Eine Mulde für das, was übrig bleibt. K6. 8 m³. Jemand hat diese Zahlen aufgestempelt – Kapazität, Kategorie, Zweck. pictures & traces hat hingeschaut, wo niemand hinschaut. for the rest ist eine Hommage an das Übersehene, das Übriggebliebene, das Unbeachtete. Das Nützliche hat seine eigene Würde. Man muss es nur sehen wollen.
Bibliothek / 2016

Fine Art
Die neue Stadtbibliothek Stuttgart – ein fast vollständig weißer Raum aus Licht, Linien und Ordnung. Geschosse schweben übereinander, Treppen schneiden geometrisch durch die Architektur, Menschen werden zu kleinen Spuren in einem System aus Wissen, Ruhe und Präzision. Über allem: das Café Lesbar.

New Pop Art
Elektrisches Cyan durchzieht das Glasdach, Ultramarin legt sich über die Ebenen, Magenta und Gold beginnen zwischen Regalen, Geländern und Lichtachsen zu pulsieren. Aus stiller Architektur wird ein urbanes Energiefeld – kühl, digital, beinahe außerirdisch.
Stuttgart, 2016. Die neue Stadtbibliothek am Mailänder Platz – längst ein architektonisches Wahrzeichen der Stadt. Tausende besuchen das Gebäude jedes Jahr, lesen, arbeiten, begegnen sich. Doch aus dieser Perspektive, mit Blick auf das Café Lesbar, zeigt sich mehr als Architektur: Linien, Licht und Struktur verschmelzen zu einem Raum, der eher gebaut wirkt wie eine Idee als wie ein Gebäude. Lesbar zeigt, was pictures & traces immer wieder sucht: Orte, die jeder kennt – aber kaum jemand wirklich sieht.
work / 2014

Fine Art
Zwei gebrauchte Arbeitshandschuhe, achtlos über eine Stahlkante gelegt. Das Leder gezeichnet von Staub, Wetter und unzähligen Handgriffen. Kaltes Metall, grober Schotter, gedämpfte Farben. Ein stiller Moment zwischen zwei Einsätzen.

New Pop Art
Elektrisches Ultramarin durchzieht die Schatten, glühendes Orange bricht aus dem Hintergrund, Cyan und Magenta legen sich wie Hitze über Leder und Stahl. Aus zurückgelassener Arbeitskleidung wird ein Fragment aus Energie, Erinnerung und Material.
Stuttgart, 2014. Ein Bahnareal am Rand der Stadt. Zwischen Stahlträgern, Schotter und Industrie bleibt der Blick an zwei Handschuhen hängen – vergessen, verloren oder nur für einen Moment abgelegt. Ein Motiv, an dem die meisten vorbeigehen würden. work zeigt, was pictures & traces immer wieder sucht: die Spuren menschlicher Arbeit, lange nachdem der Mensch selbst verschwunden ist.
Stelenfeld / 2024

Fine Art
2711 Stelen. Beton, verwittert, in Reih und Glied – und doch jede anders. Das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin, Mitte. Ein Riss in der vordersten Stele. Nicht repariert. Nicht versteckt. Einfach da. Das Fine-Art-Bild kühlt den Beton ins Blaue. Der warme Berliner Himmel dahinter macht den Kontrast noch härter. Der Riss in der vordersten Stele ist kein Schaden. Er ist ein Satz.

New Pop Art
Der Beton beginnt zu glühen. Grün, Orange, Rot – die Verwitterung wird zum Spektrum, die Oberfläche zur Chronik. Was die Zeit in den Stein geschrieben hat, wird sichtbar. Der Riss bleibt. Die Pop-Art-Version macht sichtbar, was zwanzig Jahre Regen, Frost und Zeit in die Oberflächen geschrieben haben. Jede Stele trägt ein anderes Spektrum. Jede hat ihre eigene Spur. Das Mahnmal erinnert an sechs Millionen Menschen – pictures & traces erinnert daran, dass auch der Stein nicht vergisst.
Berlin, Mitte, 2024. Peter Eisenman hat dieses Feld so gebaut, dass man sich darin verliert. Keine Erklärung, keine Inschrift zwischen den Stelen – nur Beton, Höhe, Enge. pictures & traces hat nicht das Feld gezeigt, sondern den Ausschnitt. Den Moment, in dem die Stelen aufhören, Architektur zu sein – und anfangen, zu schweigen.
Petersilie / 2024

Fine Art
Ein Blatt Petersilie. Sonst nichts. Kein Garten, keine Küche, keine Pflanze – nur diese eine grüne Fläche im Makro. Die feinen Härchen am Rand, die körnige Oberfläche, das Licht, das sich in tausend mikroskopischen Strukturen bricht. Was aus der Distanz banal wirkt, wird im Ausschnitt zur Landschaft. Das Fine-Art-Bild bleibt monochrom, fast meditativ. Grün in Grün. Keine Ablenkung. Nur Struktur, Form und Stille. Petersilie ist eine weit verbreitete Küchenpflanze – Petroselinum crispum – unscheinbar, alltäglich, fast übersehen. Genau dort beginnt pictures & traces.

New Pop Art
Das Grün beginnt zu kippen. Rot, Magenta, Orange, elektrisches Cyan – als hätte die Pflanze beschlossen, ihre Oberfläche preiszugeben. Aus einem Küchenkraut wird ein topografisches Feld, aus Pflanzengewebe ein Spektrum. Jede Pore, jedes Staubkorn, jede Verletzung im Blatt beginnt zu leuchten. Die Pop-Art-Version zeigt nicht mehr die Pflanze. Sie zeigt Energie. Sie zeigt, dass selbst das scheinbar Gewöhnliche aus Millionen Informationen besteht – man muss nur nah genug herangehen.
2024, irgendwo zwischen Küche, Garten und Objektiv. Keine seltene Pflanze. Kein exotischer Fund. Nur ein Blatt Petersilie – und der Moment, in dem es aufhört, Zutat zu sein, und beginnt, Landschaft zu werden. pictures & traces hat nicht die Pflanze gezeigt. Nur den Ausschnitt. Den Moment, in dem selbst das Alltägliche plötzlich nicht mehr gewöhnlich ist.
Tunnel / 2023

Fine Art
Zwei Gleise. Beton. Licht. Ein Tunnel unter Stuttgart – Teil eines Projekts, über das seit Jahrzehnten gestritten wird. Stuttgart 21. 2023 war dieser Ort noch Baustelle. Keine Züge, keine Fahrgäste, keine Ansagen. Nur Beton, Schienen und das diffuse Licht einer Infrastruktur, die längst gebaut ist – aber noch auf ihren ersten Atemzug wartet. Die gebogene Röhre zieht den Blick nach vorne, die Schienen verschwinden im Dunkel. Das Fine-Art-Bild bleibt kühl, präzise, fast klinisch. Technik ohne Bewegung. Architektur ohne Menschen. Zukunft im Wartestand. Stuttgart 21 umfasst rund 56 Kilometer Tunnelröhren; der Vortrieb wurde 2023 abgeschlossen.

New Pop Art
Der Tunnel beginnt zu leuchten. Blau, Magenta, Cyan, elektrisches Grün – als hätte der Beton plötzlich beschlossen, seine Energie preiszugeben. Die Schienen werden zu Lichtbahnen, die Wände zu Spektren, die Baustelle zu einem Zustand zwischen Infrastruktur und Science Fiction. Was eben noch Ingenieurskunst war, wirkt plötzlich wie ein Portal. Die Pop-Art-Version zeigt nicht den Tunnel. Sie zeigt das, was in ihm steckt: Geschwindigkeit, Spannung, Erwartung. Noch fährt hier kein Zug. Aber alles in diesem Bild ist bereits in Bewegung.
Stuttgart, 2023. Eine Baustellenführung tief unter der Stadt. Beton, Feuchtigkeit, Kabel, Licht – und diese eigentümliche Stille, die nur Orte haben, die für Millionen Menschen gebaut wurden und noch niemandem gehören. pictures & traceshat nicht das Großprojekt gezeigt. Nicht Politik. Nicht Milliarden. Nur den Ausschnitt. Den Moment, in dem ein Tunnel aufhört, Baustelle zu sein – und beginnt, Zukunft zu werden.
Skydance / 2020

Fine Art
Zwischen zwei Wolkenschichten – irgendwo über Afrika. Unten: ein Meer aus Cumulus, weich und endlos. Oben: schwere Wolken, durchbrochen von einem schmalen goldenen Band. Dazwischen: Licht, das sich seinen Weg sucht. Die Erde ist längst verschwunden.

New Pop Art
Der Horizont brennt in Magenta und Gold, die untere Wolkenschicht explodiert in Neon-Grün, der Himmel darüber glüht in tiefem Karminrot. Was eben noch Atmosphäre war, ist jetzt ein fremder Planet. Aber das goldene Band bleibt – mitten im Chaos, präzise und still.
Irgendwo über Afrika, 2020. Aus dem Fenster eines Flugzeugs, zwischen zwei Wolkenschichten, kurz vor dem Sonnenuntergang. skydance hat diesen Moment eingefangen – nicht als Reiseerinnerung, sondern als Beweis. Dafür, dass die Welt auch ohne uns tanzt. Turner hätte das Licht gekannt. Die NASA kennt diese Wolken. Und doch ist das hier kein Gemälde, kein Satellitenbild. Es ist ein Foto aus Reihe 12, Fensterplatz.
Tetris / 2018

Fine Art
Ein Steinturm am Strand – neun Steine, unterschiedliche Farben, unterschiedliche Formen, perfekt balanciert. Kein Mörtel, keine Klammer. Nur Schwerkraft und Geduld. Im Hintergrund: ein zweiter Turm, unscharf, wie ein stiller Zeuge.

New Pop Art
Die Steine brennen – Magenta, Cyan, Gold, Ultramarinblau. Der Strand wird zu flüssiger Lava, der Himmel zu einem psychedelischen Gradienten. Was eben noch Geologie war, ist jetzt Galaxie.
Irgendwo am Meer, 2018. Jemand hat Steine gestapelt – nicht als Wegmarkierung, sondern als Spiel. tetris beobachtet dieses fragile Gleichgewicht, kurz bevor die nächste Welle kommt. Alexei Paschitnow hat 1984 ein Computerspiel erfunden, bei dem Steine perfekt ineinander passen müssen. Die Natur spielt das Spiel seit Millionen Jahren. Und verliert nie.
Sardinen / 2019

Fine Art
Eine Fernwärmeleitung auf dem Wagenhallen-Areal, Stuttgart. Verwittertes Blech, Stacheldraht oben, Rost unten. Und darauf: „SARDINES“ – gemalt in dunklen Buchstaben, dazu stilisierte Fische. Jemand hat das Rohr zur Konservendose erklärt.

New Pop Art
Das Blech leuchtet in Kobaltblau und Gold, die Fische irisieren wie lebende Neon-Zeichen, der Stacheldraht wird zu glühenden Linien. Was eng und rostig war, weitet sich – und atmet trotzdem nicht.
Wagenhallen-Areal, Stuttgart, 2019. Eine Fernwärmeleitung – eigentlich unsichtbar, Teil der Infrastruktur. Aber jemand hat sie gesehen. Und darauf gemalt: Sardinen. Dicht an dicht, wie in der Dose. sardines findet diese Metapher und fragt: Wer ist hier eingesperrt – die Fische oder wir? Die Stadt braucht Wärme. Die Wärme braucht Rohre. Und die Rohre brauchen niemanden. Nur manchmal einen Blick.
Trip zum Mars / 2023

Fine Art
Barranco de las Vacas, Gran Canaria. Ein Slot Canyon aus verwittertem Tuffgestein – geschwungene Wände, geschichtet in Millionen Jahren. Am Boden: zwei Felsbrocken, sandiger Grund, Licht von oben. Die Erde zeigt, was Wind und Regen können, wenn man ihnen Zeit gibt.

New Pop Art
Die Wände brennen in Neon-Grün und Kobaltblau, der Sand leuchtet in Gold und Orange, die Schichtungen werden zu flüssigen Farbströmen. Was eben noch Geologie war, ist jetzt ein fremder Planet. Der Mars war immer schon hier – man musste nur das Licht ändern.
Barranco de las Vacas, Gran Canaria, 2023. Ein Slot Canyon mitten auf einer Vulkaninsel – entstanden durch Erosion, nicht durch Lava. Die NASA trainiert hier keine Astronauten, aber sie könnte. trip to mars zeigt einen Ort, der aussieht, als gehöre er nicht zur Erde. Und das tut er auch nicht – zumindest nicht zu der Erde, die wir kennen. Die Oberfläche des Mars ist 225 Millionen Kilometer entfernt. Dieser Canyon liegt 2.800 Kilometer südwestlich von Stuttgart. Manchmal ist das derselbe Abstand.
The Shining / 2022

Fine Art
Eine Türklinke. Verrostet, lackabblätternd, seit Jahren nicht mehr bewegt. Die Tür dahinter führt nirgendwo hin – oder dorthin, wo niemand mehr gehen will. Lost Place, Nordschwarzwald. Der Griff wartet noch.

New Pop Art
Der Rost wird zu irisierendem Spektrum – Kobalt, Orange, Magenta. Die abblätternde Farbe verwandelt sich in psychedelische Topographien. Das Schloss glüht wie ein Gesicht. Aus Verfall wird Vision.
Verlassene Heilanstalt, Nordschwarzwald, 2022. Eine Tür, die niemand mehr öffnet – und eine Klinke, die noch so tut, als wäre sie bereit. the shining hat diesen Ort betreten, als die Stille noch vollständig war. Kubrick hat 1980 gezeigt, was hinter manchen Türen wartet. Hier wartet nichts mehr. Nur das Licht, das durch die Risse fällt – und die Frage, wer hier zuletzt die Hand auf diesen Griff gelegt hat.
Stop it / 2020

Fine Art
Innerer Nordbahnhof, Stuttgart. Der Fuß eines Prellbocks auf den verbliebenen Gleisen – verrostet, von Moos überwachsen. Ein Stück Stahl, das einmal „Stopp” bedeutete. Hier endete das Gleis. Hier begann die Verschleppung.

New Pop Art
Der Stahl brennt in Rot und Rosa, das Moos leuchtet in Neon-Grün, die Gleise irisieren in Blau und Gold. Die Farben überwältigen – aber der Prellbock bleibt, wo er ist. Manche Orte hält man nicht auf, indem man sie bunt macht.
Innerer Nordbahnhof, Stuttgart, 2020. Von hier wurden zwischen 1941 und 1945 über 2.500 Juden aus Stuttgart und Umgebung deportiert – nach Riga, Izbica, Auschwitz, Theresienstadt. Die Gleise sind noch da, teilweise. Dieser Prellbock auch. stop it zeigt ein Detail der Gedenkstätte – nicht das Monument, sondern das Objekt. Der Prellbock sollte Züge stoppen. Er hat es nicht getan. Das Bild zeigt, was bleibt, wenn alles andere verschwunden ist: Stahl, Rost, Moos. Und die Frage, wer hier hätte stoppen können.
Riesling / 2023

Fine Art
Eine Riesling-Traube im Spätsommer. Die Beeren sind durchscheinend, das Licht fällt von hinten durch sie hindurch. Das Blatt ist skelettiert – nur noch Adern, kein Grün mehr. Die Traube wartet auf die Lese. Oder darauf, am Stock zu bleiben.

New Pop Art
Die Beeren werden zu leuchtenden Kugeln – Gelb, Grün, Rot, Neon-Blau. Jede einzelne ein eigener Planet. Das skelettierte Blatt schimmert wie ein fossiler Abdruck. Was eben noch Botanik war, ist jetzt ein Kosmos.
Irgendwo in Süddeutschland, Herbst 2023. Eine Riesling-Traube – spät im Jahr, vielleicht zu spät. Das Blatt ist längst reduziert auf sein Skelett, die Beeren sind überreif, durchscheinend. riesling zeigt den Moment, in dem die Natur sich entscheidet: Wird das noch Wein – oder wird das Essig? Der Winzer weiß es. Die Traube auch. Nur das Licht ist sich noch unsicher.
Star Wars / 2018

Fine Art
Berlin, Potsdamer Platz, 2018. Der Blick senkrecht nach oben. Die Glaskuppel des Sony Centers – entworfen von Helmut Jahn. Stahl, Glas, Licht. Alles, was Architektur kann, in einem einzigen Bildausschnitt.

New Pop Art
Die Ringe brennen Rot. Der Mast leuchtet Kobalt. Eine Mandala-Maschine aus Stahl und Feuer. Was oben war, ist jetzt überall.
Berlin, 2018. Das Sony Center am Potsdamer Platz – ein Ort, der nach Wiedervereinigung riecht. Helmut Jahns Kuppel ist ein Versprechen aus Glas: Offenheit, Transparenz, Aufbruch. star wars schaut dorthin, wo niemand hinschaut – nach oben. Und findet dort kein friedliches Universum, sondern ein Schlachtfeld aus Linien, Farben, Vektoren. Der Titel ist kein Zufall. George Lucas hat 1977 gezeigt, was Krieg im All bedeutet. Helmut Jahn hat 2000 gezeigt, was Architektur dagegen setzen kann. Und pictures & traces zeigt 2018, dass beides dieselbe Geometrie hat.
Bubble / 2023

Fine Art
Eine Seifenblase vor dem Abendhimmel. Der Atlantik dahinter. Darin: alles – die Wärme, das Licht, der Horizont, der Moment kurz bevor er endet. Eine Seifenblase hält nichts. Und doch hat sie alles.

New Pop Art
Zwei Körper im All. Ein brennender Himmel. Was eben noch fragil war, ist jetzt planetarisch. Die Blase platzt nicht – sie expandiert.
Gran Canaria, Silvester 2023. Derselbe Atlantik wie zwei Jahre zuvor – aber diesmal schwebt eine Seifenblase davor. Darin: der Horizont, umgekehrt und vollständig. bubble hat diesen Moment eingefangen – nicht als Erinnerung, sondern als Beweis. Seifenblasen leben Sekunden. Silvester auch. Ein vergänglicher Moment, der für immer bleibt. Darin liegt kein Widerspruch. Nur Fotografie.
Birkenkopf / 2023

Fine Art
Eine Glaskugel auf dem Gipfelfelsen des Birkenkopfs. Darin: die Welt, umgekehrt. Das Kreuz steht auf dem Kopf. Der Himmel ist unten. Ist das Störung – oder Klarheit?

New Pop Art
Die Steine brennen in Rot und Violett, die Kugel leuchtet in Indigo. Das Kreuz bleibt, wo es ist – kopfüber, mitten im Chaos. Manche Dinge ändern sich nicht, egal wie bunt es wird.
Stuttgart, Birkenkopf, 2023. Der höchste Punkt der Stadt, aufgeschüttet aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs. Ein Gipfel aus Schutt und Neuanfang. birkenkopf stellt eine Glaskugel auf diesen Ort – und lässt die Welt darin auf den Kopf stellen. Was man sieht, hängt davon ab, von welcher Seite man schaut.
Baumkugel / 2023

Fine Art
Eine Glaskugel auf einem Trümmerstein am Birkenkopf. Darin: ein Baum, umgekehrt. Die Wurzeln sind oben, die Krone unten. Das Kreuz im Hintergrund steht aufrecht – aber in der Kugel ist alles anders.

New Pop Art
Der Stein leuchtet in Orange, Violett und Grün – als hätte jemand Lava statt Geologie fotografiert. Die Kugel bleibt klar, der Baum bleibt kopfüber. Manche Dinge kehrt man nicht um.
Birkenkopf, Stuttgart, 2023. Der höchste Punkt der Stadt – aufgeschüttet aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs. Hier oben steht ein Kreuz. Und hier hat pictures & traces eine Glaskugel platziert und darin einen Baum gefangen – auf den Kopf gestellt. tree fragt: Ist das Störung – oder Klarheit? Der Birkenkopf selbst ist umgedrehte Ordnung: Was unten war, ist jetzt oben. Was Zerstörung war, ist jetzt Aussichtspunkt. Die Kugel zeigt nur, was der Berg längst weiß.
Rüsselkäfer / 2012

Fine Art
Ein Acalyptus carpini – einer der kleinsten Rüsselkäfer Europas – auf der Spitze einer Rosmarinnadel. Selbstgebaute Linse, 3:1-Vergrößerung, maximaler Arbeitsabstand. Der Rüssel zeigt nach vorn, die Beine greifen ins Nichts. Der Käfer ist am Rand angelangt – und macht einfach weiter.

New Pop Art
Die Nadel wird zum leuchtenden Runway – Kobaltblau, Neon-Gelb, irisierendes Grün. Der Käfer glänzt wie poliertes Metall. Was wie ein unscheinbarer Gartenbewohner begann, ist jetzt eine galaktische Skulptur.
Stuttgart, 2012. Ein acalyptus carpini auf der Spitze einer Rosmarinnadel – wenige Schritte vom lunatics! Studio entfernt, fotografiert mit einer selbstgebauten Linse für maximalen Arbeitsabstand bei 3:1-Vergrößerung. Kaum drei Millimeter lang, und doch vollständig ausgerüstet: Rüssel, Greifbeine, gepanzerter Rücken. rüsselkäfer zeigt, was direkt vor unserer Tür lebt – und fragt, warum wir erst eine Linse brauchen, um es zu sehen
Dahlie / 2024

Fine Art
Die Kelche einer Dahlie – in extremer Nahaufnahme, auf dem Balgen. Jedes Blütenblatt ein präzises Gewölbe, die Oberfläche samtartig, das Licht streifend. Kein Mittelpunkt, keine Hierarchie. Zelle für Zelle eine Frucht. Nur Struktur, so weit das Auge reicht.

New Pop Art
Die Kelche brennen in Magenta und Karmin, die Ränder irisieren in Cyan und Gold. Was botanisch ist, wird tektonisch – als hätte jemand die Oberfläche eines fremden Planeten fotografiert, dessen Geologie aus Seide besteht.
Stuttgart, 2024. Eine Dahlie auf dem Balgen – maximale Vergrößerung, minimaler Abstand. Die Dahlie gehört zur Familie der Korbblütler, gezüchtet seit dem 16. Jahrhundert in Mexiko, seit dem 19. Jahrhundert in Europa. Aber das interessiert den Balgen nicht. Und das Bild auch nicht. dahlie zeigt, was unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegt – die Architektur einer Blüte, die niemand sieht, weil sie niemand sucht. pictures & traces hat gesucht. Und eine Kathedrale gefunden.
Löwenzahn / 2021

Fine Art
Eine Pusteblume – vollständig, kugelrund, jedes Samenschirmchen noch an seinem Platz. Vor weichem Grün, warmes Licht von der Seite. Der Stiel hält alles zusammen. Noch.

New Pop Art
Die Schirmchen leuchten in Neon-Gelb und Magenta, der Stiel glüht in Grün, der Hintergrund explodiert in psychedelischen Strukturen. Was eben noch Vergänglichkeit war, ist jetzt ein Feuerwerk – kurz bevor der Wind kommt.
Waldrand, Stuttgart, 2021. Eine Pusteblume, kurz vor dem Ende. Jeder Samen trägt einen Fallschirm – evolutionär optimiert für maximale Reichweite bei minimalem Gewicht. Die NASA studiert diese Geometrie. Kinder blasen einfach. dandelion hat weder geblasen noch gewartet. Es hat nur festgehalten, was ohnehin im nächsten Moment weg ist. Taraxacum officinale – der offizielle Name klingt nach Würde. Das Bild auch. Denn wer sagt, dass Vergänglichkeit nicht schön ist?
Vespa / 2020

Fine Art
Eine Vespa aus den Fünfzigern. Türkis, makellos, geparkt vor dem Dunkel einer Dorfkneipe auf Mallorca. Kein Rost, kein Staub – als wäre sie gerade eben angekommen. Oder nie weggefahren.

New Pop Art
Das Türkis wird zu leuchtendem Cyan, die Chromteile irisieren in Grün und Gold, das Dunkel dahinter öffnet sich in Kobalt und Neon. Die Vespa war schon immer ein Design-Objekt. Jetzt ist sie ein Leuchtturm.
Mallorca, Hinterland, 2020. Ein Dorf, eine Kneipe, ein Abendessen im Sonnenuntergang. Ein freundliches Paar – und eine Vespa aus den Fünfzigern, die draußen wartet. pictures & traces hat sich hingesetzt, hat gegessen, hat mit Händen und Füßen geredet. Über die Zeit. Über das, was bleibt. Die Antwort stand draußen vor der Tür: Enrico Piaggio hat 1946 ein Fahrzeug gebaut, das die Welt verändert hat – und das aussieht, als wäre es gestern entworfen worden. Schönheit, die nicht altert, ist keine Schönheit mehr. Sie ist Wahrheit.
Showtime / 2020

Fine Art
Es Foguero, Mallorca, 2020. Ein verlassener Showsaal – Stahlträger, Glasdach, Graffiti. Einmal war hier Licht, Musik, Applaus. Jetzt ist hier Stille, Schutt und ein letzter warmer Schein, der von irgendwo hereinfällt. Die Bühne ist noch da. Das Publikum nicht mehr.

New Pop Art
Die Stahlträger leuchten in Neon-Cyan, die Glasscheiben irisieren in Grün und Violett, der Boden glüht in kosmischem Blau. Der Verfall wird zur Kulisse – aber diesmal für etwas, das gerade erst beginnt.
Mallorca, 2020. Es Foguero – einst einer der bekanntesten Showpaläste der Insel, Jahrzehnte lang Bühne für Flamenco, Varieté, Touristenträume. Dann irgendwann: Schluss. showtime betritt diesen Ort, nachdem das letzte Licht erloschen ist – und findet dort eine Architektur, die immer noch Haltung hat. Manche Bühnen verlieren ihre Würde nicht, auch wenn der Vorhang längst gefallen ist. Der nächste Akt heißt Vergessen. pictures & traces war vorher da.
Stille / 2021

Fine Art
Kein Ufer. Kein Land. Nur Feuer und Meer. Der Himmel brennt in Gold, die Sonne versinkt am Horizont. Das Wasser trägt den Brand – ein goldener Teppich bis zum Horizont. Die Natur braucht keinen Filter.

New Pop Art
Der Himmel hört nicht auf. Magenta, Pink, Neon-Gelb, Cyan – die Schleier werden zu flüssiger Farbe, das Meer zum irisierenden Mosaik. Was im Fine-Art-Bild bereits an der Grenze des Realen war, überschreitet sie hier vollständig. Und das ist richtig so.
Gran Canaria, Silvester 2021. Der letzte Sonnenuntergang des Jahres – über dem Atlantik, ohne Ufer auf der anderen Seite. pictures & traces war dabei, hat nicht eingegriffen, hat nur gehalten, was sich nicht halten lässt. Stille ist kein trauriges Wort. Es ist das letzte Wort des Jahres – gesprochen in Karminrot und Gold. Turner hätte es gemalt. Rothko hätte es gespürt. Das neue Jahr kam trotzdem.
Ventilator / 2020

Fine Art
Ein Industrieventilator hinter Metallgitter – frontal, symmetrisch, still. Acht Schaufeln, leicht verdreht, in warmem Rostbraun. Er dreht sich nicht mehr. Und trotzdem bewegt er etwas.

New Pop Art
Die Schaufeln brennen in Kobaltblau und Orange, das Gitter leuchtet in irisierendem Violett, das Zentrum glüht wie ein Galaxienkern. Aus Industrieschrott wird kosmische Mandala.
Mallorca, Felanitx, 2020. Ein vergessener Ventilator an einer Wand – kein Kunstobjekt, kein Monument. Nur ein Gerät, das einmal für Luftzug gesorgt hat. ventilator findet darin eine perfekte Geometrie: acht Schaufeln, ein Zentrum, ein Gitter. Seit Jahrhunderten baut der Mensch Räder. Und jedes Rad hat dasselbe Versprechen: Bewegung. Dieser hier hat aufgehört. Das Bild nicht.
Windrad / 2024

Fine Art
Ein Windrad bei Nacht – der Grüne Heiner, Stuttgart. Der Turm leuchtet in kühlem Blau, die Rotorspitze trägt ein rotes Warnlicht. Tiefschwarz dahinter. Kein Horizont, keine Stadt – nur das Windrad und die Stille, die es erzeugt, während es Strom macht.

New Pop Art
Der Turm leuchtet in Neon-Cyan, das rote Warnlicht explodiert in Magenta, die Rotorblätter irisieren in Grün und Gold. Aus Infrastruktur wird Skulptur – eine leuchtende Nadel, die den Himmel aufspießt.
Stuttgart, Grüner Heiner, 2024. Mitten in der Stadt, auf einer der markantesten Anhöhen des Stuttgarter Talkessels – ein Windrad. Bei Nacht reduziert auf das Wesentliche: Turm, Licht, Bewegung. windrad fragt nicht, ob Windräder schön sind. Diese Debatte ist alt und müde. Das Bild stellt eine andere Frage: Was ist das eigentlich – ein Objekt, das aus Wind Strom macht, bei Nacht, allein auf einer Anhöhe, während die Stadt schläft? Eine Maschine. Ein Leuchtturm. Ein Versprechen. Vielleicht alles drei.
2024 / Kloster Maulbronn

Das mittelalterliche Kloster Maulbronn wirkt unbeweglich. Stein, Ordnung, Jahrhunderte. Und doch geschieht Bewegung – nicht im Motiv, sondern im Licht. pictures & traces hat nicht versucht, das Kloster neu zu erfinden. Nur anders hinzusehen. Maulbronn verbindet Panorama und Transition: ein Ort zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen klösterlicher Stille und digitaler Überlagerung. Was bleibt, ist nicht Architektur. Was bleibt, ist Zeit.
Rechte: Göötz
